Die hohe Jagd der Habsburger und Wittelsbacher Teil 2

Im 1. Teil dieser Reihe wurde von der fürstlichen hohen Jagd berichtet. Wie alles Gesellschaftliche passte sich auch die Jagd dem Zeitgeist der folgenden Jahrzehnte an und so soll im 2. Teil nun die Jagd als Hofspektakel betrachtet werden. Heute oft kritisch betrachtet gehörten sie genauso wie später die Parforcejagden in Österreich und Bayern zum Hofleben dazu. Die unglaublichen Jagdstrecken mancher Habsburger und Wittelsbacher sind auch heute noch in aller Munde.
Die Jagd als Hofspektakel entwickelt sich zum festen Bestandteil des höfischen Alltags. Hierzu muss sie natürlich „entschärft“ werden und in immer weiterem Maße wird sie auch organisiert. Die geeigneten Eingestellten Jagen finden bereits im 16. Jahrhundert statt. Das Wild wird in einem Wald „von der Weite in die Eng“ gebracht, also aus den Einständen in eine mit „Jagdzeug“, also Netzen und Lappen, eingefasste Fläche. Der makabre Höhepunkt dieser Jagden ist dann das Vorlassen des Wildes. Die Schützen, also der Landesherr und seine Gäste, bekommen die eingeschlossenen Tiere direkt vor die Büchse getrieben. Oft liegen über 100 Stück Hochwild auf der Strecke. Die Vorbereitung dieser kostspieligen Jagden dauert oft Wochen. Treiber, Jäger, Rösser, Zeugwagen, Ausrüstung, Material und Verpflegung sind nötig. Eindrucksvoll viel Wild soll zur Strecke kommen - dennoch ” ging manches Stück durch die Lappen”. Barocke “Prunkjagden” dienen der Repräsentation sowie der Schaustellung herrschaftlicher Macht und fürstlichen Reichtums. Entsprechend einfallsreich sind die Höfe: So nutzt Leopold I. (1640-1705) den Wiener Prater mit seinen Jagdleoparden für Hofjagdspiele. Ferdinand Maria (1636-1679) führt in Bayern auf dem Starnberger See seine berühmten Seejagden durch. Hierfür lässt er den Bucintoro bauen, sein „Leibschöff“ nach venezianischem Vorbild.

Die Parforcejagden
Die „Parforcejagd“ ist eine spezielle, von den Franzosen „Chasse à courre“ genannte Verfolgungsjagd zu Pferd. Bei dieser Jagdart wird ein einziges ausgewähltes Stück Wild, meist ein Hirsch oder eine starke Sau, durch eine Hundemeute verfolgt, gestellt und mit dem „Hirschfänger“ „abgefangen“ oder mit der Schusswaffe erlegt. Die oft über weite Distanzen gehende, bisweilen durch schwieriges, unwegsames Gelände führende Parforcejagd stellt höchste Anforderungen an Hunde, Jäger und Pferde. Zur Verständigung dienen die großen „Parforcehörner“, die um den Leib getragen werden und so beim Reiten mit einer Hand geblasen werden können. Am Ende der Jagd wird dem höchsten Ehrengast der „pied d’honneur“ (Ehrenlauf), ein Vorderlauf des erlegten Wildes, überreicht. Parforcejagden sind bis ins 18. Jahrhundert nahezu als Mode zu bezeichnen. Sie finden selbst nach der Französischen Revolution statt. Natürlich auch im Prater. Südlich Münchens wird auf etwa 30 Kilometer Länge der Hirschjagdpark eingerichtet. Eine besondere Folge ist bis heute, dass die jagdliche Nutzung der Landschaft zu ihrem Schutz beiträgt, weil die Landesherren andere Nutzung der Flächen einschränken oder verbieten.

Im 3. Teil der Reihe „Die hohe Jagd der Habsburger und Wittelsbacher“ lesen sie: „Von Kaiserlich – Königlichen Jagden bis in die Gegenwart“.

Mehr Informationen zur bayerisch-oberösterreichische Landesausstellung und zur Ausstellung „Die hohe Jagd der Habsburger und Wittelsbacher“ erhalten sie unter www.landesausstellung.com und www.mattighofen.at