Die hohe Jagd der Habsburger und Wittelsbacher Teil 3

Im 2. Teil dieser Reihe wurde von den Jagden als Hofspektakel und den Parforcejagden der Habsburger und Wittelsbacher berichtet. Nun wollen wir uns der Entwicklung von Biedermaier bis in die Gegenwart widmen. Von den unglaublichen Streckenergebnissen eines Erzherzog Franz Ferdinand über die fortschrittliche Jagd unter Erzherzog Johann bis hin zum gegenwärtigen Jagdverständnis wird ein breiter Bogen gespannt.

Im Biedermeier des 19. Jahrhunderts wird die Jagd bürgerlich und entspricht in etwa den heutigen Vorstellungen. Prunkjagden finden wegen des Aufwandes und der Kosten, besonders aber wegen der politisch gespannten Stimmung nicht mehr statt. Auch sehen die habsburgischen Kaiser und bayerischen Könige in der Jagd nicht mehr das “unendliche Vergnügen”. Uniform oder Lederhose lassen sich Kaiser Franz Josefs politische Hofjagden überschreiben. Begehrt sind die Einladungen in die Hofjagden Ebensee und Jainzenberg, wenngleich manch Geladener wegen Fehlverhaltens nur einmal dort gewesen ist. Diskussionswürdig ist heute wohl auch die gewaltige Strecke, die Erzherzog Franz Ferdinand (1863-1914) für sein jägerisches Leben vorweisen kann. Die bayerischen Könige jagen in “Leibgehegen” im Gebirge oder im Spessart. Überall fand sich ein relativ hoher Wildstand. Während sich Ludwig I. und Ludwig II. weniger in der Jagd hervortaten, war Max II. ein begnadeter Jäger besonders im Gebirg. Prinzregent Luitpold führte in der ihm eigenen und den politischen Verhältnissen entsprechenden Art eine volksnahe Regentschaft. Hierzu gehörte auch die Jagd mit jährlichen wochenlangen Reisen durch Bayern.

Vom Jäger zum Sammler? – nachhaltige verantwortliche Jagd in der Gegenwart
„Wir jagen nicht um zu töten, sondern wir töten um gejagt zu haben“ fasst Ortega y Gasset zusammen. Jagd ist nicht Sport, Jagd ist nicht Hobby. Jagd ist Verantwortung gegenüber dem Wild, gegenüber dem Lebensraum des Wildes, also unserer Umwelt, und gegenüber der Gesellschaft. Die Jagd ist verantwortliche nachhaltige Nutzung eines Teiles unserer Kulturlandschaft. In ihren Revieren können die Jäger gestalterisch wirken. Sie sorgen sich um einen gesunden, artenreichen, ausgewogenen und den landeskulturellen Gegebenheiten angepassten Wildbestand. Die nachhaltige Nutzung nur bei gleichzeitigem Schutz durchführbar. Daher ist die Jagd als „weise und nachhaltige Nutzung nachwachsender Ressourcen“ von der IUCN anerkannt. Im 19. Jahrhundert entwickelt sich ein besonderes Verantwortungsgefühl für die Natur. Dies aber nicht mit breiter gesellschaftlicher Basis, wie es heute die Naturschutzorganisationen zeigen, sondern auf dem Engagement einzelner Personen basierend. So hat es der Jäger und Alpinist, Landwirt und Weinbauer Erzherzog Johann mit seinen Ideen geschafft, bis heute als Förderer und Modernisierer von Industrie,
Landwirtschaft und Eisenbahnwesen sowie des Kultur- und Bildungsbereichs zu gelten. Therese Prinzessin von Bayern (*1850, † 1925), Tochter des Prinzregenten Luitpold von Bayern und Auguste Ferdinande von Österreich, war Ethnologin, Zoologin und Botanikerin. Von Sammlungen und Ergebnissen ihrer Südamerikareise 1898, der Nordamerikareise 1893 und der Mexikoreise von 1893 profitieren Wissenschaft und Einrichtungen, alles voran die Zoologische Staatssammlung München, bis heute. Albrecht Herzog von Bayern (1905-1996) erarbeitete mit Herzogin Jenke (1921-1983) Beobachtungsreihen zur Entwicklung von
Rehwildbeständen. „Über Rehe in einem steirischen Gebirgsrevier“ und „Weichselboden“ sind neben seinem „Jagdlichen Vermächtnis“ prägende Veröffentlichungen des Herzogs, dessen Sammlung im Rehmuseum Berchtesgaden zu sehen ist. Andere initiative Wege geht drei Generationen später Prinzessin Auguste zur Lippe, die sich für ein neues Naturkundliches Museum Bayern im Nordflügel Schloss Nymphenburgs einsetzt.

Mehr Informationen zur bayerisch-oberösterreichische Landesausstellung und zur Ausstellung „Die hohe Jagd der Habsburger und Wittelsbacher“ erhalten sie unter www.landesausstellung.com und www.mattighofen.at