ÖBf: Wildverbiss als größte Bedrohung für heimischen Schutzwald

Zum Schutz vor Elementargefahren (Lawinen, Muren, Steinschlag) im alpinen Raum spielen Schutzwälder eine wichtige Rolle. Durch Temperaturanstieg, Wetterextreme, aber auch Wildeinfluss stehen die heimischen Schutzwälder heute stärker denn je unter Druck - besonders in alpinen Regionen.

Umso wichtiger ist ihre nachhaltige Betreuung und der Erhalt. Rund 16% des österreichischen Forstes (780.000 ha) sind Schutzwald, 150.000 ha werden von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) bewirtschaftet - davon 42.000 ha in Tirol, 35.000 ha in Salzburg, 28.000 ha in der Steiermark und 27.000 ha in Oberösterreich. Allein 2011 haben die ÖBf 600.000 Jungbäume in ihren Schutzwäldern gesetzt. Am meisten zu schaffen macht diesen der Wildverbiss. Daher hofft ÖBf- Vorstandssprecher Georg Erlacher, dass in Tirol, wo dieser Tage der Entwurf zum überarbeiteten Landesjagdgesetz in Begutachtung geht, "die große Chance zum Erhalt des Schutzwaldes genutzt wird". Wild-Verbiss hindert das Aufkommen von Jungbäumen, durch Schälungen wird die Rinde abgenagt, das Fegen der Geweihe schädigt die Stämme. Ist die Schutzfläche einmal zerstört, vergehen Jahrzehnte, bis der Wald wieder seine volle Schutzfunktion entfaltet. Der Wald überaltert immer mehr, da durch den starken Wildverbiss vielerorts kein Jungwald aufkommen kann.

83 Schutzwald-Projekte mit Schwerpunkt in Salzburg und Tirol
Durch die großen Stürme der vergangenen Jahre (Kyrill, Paula und Emma) sind viele Kahlflächen entstanden, die aufgeforstet werden müssen. Die ÖBf haben aktuell 83 Projekte in Umsetzung, die meisten - aufgrund der Siedlungsdichte und den steilen Hanglagen - in Salzburg und Tirol. Gepflanzt werden neben Fichten vor allem Baumarten wie Lärche, Zirbe oder Tanne, die die Wälder stabiler machen. "Die Fichte eignet sich für den Lawinenschutz besonders gut. Die Bäume stehen dicht, der Schnee bleibt in den Kronen hängen, während die Lärche, die im Winter keine Nadeln trägt, besonders sturmfest und steinschlagresistent ist", so Erlacher.

Forschung für den Schutzwald
Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur haben die ÖBf auch ein Forschungsprojekt zu Schutzwäldern ins Leben gerufen. Dabei werden die Widerstandsfähigkeit und die Gefährdung der Bestände unter den geänderten Klimabedingungen untersucht und zukünftige Maßnahmen zur Schutzwalderhaltung entwickelt. Eine Maßnahme, die sich langfristig bezahlt macht: "Das Kostenverhältnis von Schutzwäldern im Vergleich zu baulichen Schutzmaßnahmen liegt bei 1:10:100", erklärt Erlacher. "Die Sanierung eines Schutzwaldes kostet gegenüber einer normalen Bewirtschaftung etwa zehnmal so viel. Die Kosten für eine technische Verbauung liegen um ein Hundertfaches darüber."